Der lange Atem der Geschichte der Typografie



Wir müssen Fraktur reden.

"Man habe unverblümt »Fraktur geredet«, berichtete Kanzler Kern nach dem insgesamt vier Stunden langen Beisammensein, es sei »wohl eher nicht« damit zu rechnen, dass Ungarn weitere Flüchtlinge aufnehmen werde." (Die Zeit, 29.09.2016)

Was wir über die Fraktur wissen sollten.

Übrigens: die Fraktur ist keine Nazi-Schrift

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden deutschsprachige Texte hauptsächlich in Fraktur gedruckt. In Frakturtexten wurde die Schwabacher bis ins 20. Jahrhundert gerne zur Schriftauszeichnung verwendet. Diese Form der Auszeichnung war derart gebräuchlich, dass selbst das Hervorheben in der Handschrift (etwa durch Unterstreichen) mit dem Verb „schwabachern“ belegt wurde.[2]


Schwabacher "Judenletter"

In Schwabach gab es gar keine Schriftgießerei.

1941 verboten die Nationalsozialisten die Verwendung gebrochener Schriften durch Behörden und im Schulunterricht. Die Schwabacher Schrift und andere in Deutschland häufig verwandte gebrochene Schriften wurden im Normalschrifterlass als „Schwabacher Judenlettern“ bezeichnet. Aus der Entwicklungsgeschichte der Schwabacher Schrift lässt sich diese Bezeichnung nicht erklären; vielmehr dürfte auf dem Höhepunkt des nationalsozialistischen Eroberungskrieges die internationale Verwendbarkeit der nunmehr angeordneten Antiqua eines der Motive dieser Entscheidung gewesen sein.[3] In der Stadt Schwabach selbst rief diese Bezeichnung Unverständnis hervor.

Warum die Fraktur zu Unrecht verpönt, und nicht …

Unser Kopf ist rund, 
damit das Denken die Richtung wechseln kann.

In Zeiten disruptiver technologischer Umbrüche ist genau dieses Motto der richtige Kompass.